Böckem, Nick: Mondschein

Nächstens an dem Waldessaume sehnet
Sich die Anschmiegsame ihn herbei.
Zauberisch sie alles Dunkel schönet –
Unbedarft ihr Herz, voll Liebelei.
Der Erwählte abermalig zaget,
Lauert im verwölkten Himmeltief.
Ihn beengt´s, dass sie ihn stetig jaget,
Weil ihr Glanz allmächtig ihn durchlief´.
Jäh scheint auf er an der Himmelsfeste:
Der verhalt´ne Leuchtball, der dort thront,
Scheint hernieder, kältend, durchs Geäste …
Da, ihr Liebling! Ewig bleibt´s: der Mond!

„O mein Teurer! Endlich stirbt die Stille!
Sehnsuchtsvoll beschwöre ich Dich: bleib!
Wirst erlöst aus deiner scheuen Hülle,
Wenn ich Dich mit Glut im Herzen treib´!
Lass uns wild entbrennen , nie vereisen!
Zeige mir dein gutgläubig Gesicht!“
„Unberechenbar muss ich weiterkreisen,
Meine Bahn entspringt einsamer Pflicht.
Nähe würde mir den Geist zerteilen,
Bindung wird vom Dunkel vorgesprüht.
Scherben ließen sich durch Frost nur heilen,
Schimmerspiegel schirmen mein Gemüt.“

Hold wischt ihn die Flimmerpracht der Sterne,
Wolkenmasken golden den Verdruss.
Wahrt aus Furcht und Bühnenkunst die Ferne,
Meidet ihren grell verkling´nden Kuss.
Kraterübersät spielt er den Boten
Sonniger Verheißung – alles Schein!
Staubbedeckt sein Herz – gleich einem Toten,
Lügenhaft dies Scheusal aus Gestein!
Sie vertrösten, so jedennoch schonen
Will der Mond, der freudlos sie verehrt.
Zauber lebt in strengen Illusionen –
Nebelhaft die Schatten abgekehrt.