Huber, Klaus: Zum Jahreswechsel 2017/18

Ein weiteres Jahr geht bald zu Ende. Geprägt wird es durch u n s e r e Hände. Es gilt, die Zeit vor uns zu sichten und ihre Bilder zu gewichten, danach auch mutig es zu wagen, den Menschen ehrlich – deutsch! – zu sagen, womit sie bald – trotz aller Gaben – in nächster Zeit zu rechnen haben, um aus dem Jahr gelöst zu gehen und auch das nächste …

Huber, Klaus: Geltungsbedürfnis

Wer gerne sprachlich Eindruck macht, dadurch Begeisterung entfacht, zeigt bislang, dass er Sprachen spricht ob es nun passt oder auch nicht. Viel wichtiger klingt manches Wort, stammt es von fremdem Land und Ort. Wer sprachlich in die Tiefe geht, dem liegt am Herz, dass man versteht, was er mit Worten sagen will. Er hält nicht vor dem Deutschen still, weil mancher d a n n  deutlich versteht, was einem über …

Huber, Klaus: Hommage an das Buch

Es ist gut, dass es jemanden wie dich gibt. Du stehst zu jedem einzelnen deiner Kapitel, die sich im Laufe deines Reifens und Werdens zu einem Ganzen fügen. Einen jeden lässt du aus dir erlesen und für sich entnehmen, wessen er im Augenblick bedarf, um sich Bestätigung und Kraft zu holen. Für das, was dir zu äußern als wesentlich erscheint, lässt du dich eher zerreißen und verbrennen, als ein Jota …

Hartmann, Horst: Deutscher Sprachsalat

Die Briten sprechen Englisch pur, Französisch die Franzosen nur. In Deutschland findet man das fad, hier liebt man einen Sprachsalat. Im „Pyjama“ steht man auf, macht „Jogging“, keinen Dauerlauf und „Walking“ heißt das neue Wort, wandert man von Ort zu Ort. Was zieht man an in diesen Tagen, früher gab’s noch Schlips und Kragen, heute „Leggings, T-Shirt, Body, Top“, und die „Baseballkappe“ auf dem Kopp. Der Mann trägt  „Slips“, die …

Sliepen, Reiner: Monolog über die Sprache

Rasch flieht die Zeit dahin, wie eine Woge, die eben noch des Meeres Kraft gespeichert und hingestorben ist im Augenblick, indem sie, überspült von neuer Energie, die eigne Kraft verschwendet im Vergehn‘. Ein Sinnbild ist’s für uns’re Lebensreise, für die Vergänglichkeit, für Abschiede, die uns begleiten, von Kindheit an, ganz leis‘. Wir spüren’s kaum, wie neue Ahnung uns umweht, wie neue Tore öffnen sich in eine Welt verlockend bunt, voll …

Schönberger, Birgit: Die Geschichte vom Sprachverlust

„Kevin“, sprach die frischgestylte ‚Mom‘ und aus der Wohnung eilte. „Sei hübsch smart und weltgewandt, löse dich von meiner Hand. Geh‘ brav in den Kinderhort, verstehst du dort auch kaum ein Wort. Und, vor allem, Kevin hör‘: Nicht mit deutscher Mundart stör‘! Bist du dann erst einmal groß, sprichst du englisch ganz famos.“ Klein-Kevin aber weinte sehr, blieb ihm doch keine Sprache mehr: Die von der Mutter war verboten, die …

Kinder, Dietmar: Un-gereimtheiten

Gedichte zur Sprache bringen (aus dem Buch Un-Gereimtheiten von Dietmar Kinder) Ami-Deutsch Die Werbebranche und die Umsatzbande grenzen uns aus im eigenen Lande Und wir zwei Esel, ich und Du lassen das so einfach zu   Unterwürfig In diesen Tagen ist es so weit Nachäffen macht uns kaum noch zu schaffen Ami-Kultur macht sich überall breit Wir übertreffen spielend die Affen   Anglomanie Köln-München-Hamburg-Berlin stets das gleiche Rasengrün Imponiervokabel hochgestylt …

Schaarschuh, Fritz-J.: Nebensinnverschiebung, Sale

Nebensinn-Verschiebung E i n  Wort scheint heut ausgestorben, hat den Status „out“ erworben. „Kompliziert“ heißt dieses Wort, Eitelkeit warf’s über Bord! „Kompliziert“ trifft indirekt den, der hinterm Vorgang steckt, „kompliziert“ räumt Schwächen ein, wo doch gilt: Schwach darf nicht sein! Deshalb kriegt ein kaum bekanntes Wörtchen — als ´was Sinnverwandtes — dessen starke Position: Das „komplex“ erbt die Funktion! Dieses Wort zielt sehr direkt auf die Tücken im Objekt. So …

Pauli, Werner: An den Lenz u.a.

Mein Dichten Der Stoff sucht selbst sich seine Form für Melodie und Rhythmus des Gedichts. Wohl auszuweichen gilt`s bewährter Norm und Zug zu wahren eigenen Gesichts. Nach Jambus oder Distichon und Mode nicht ruft mein Poetensinn. Ich scheuch` bekannte Wendungen davon und geb` mich lieber neuem Bildklang hin. Zwar scheu` ich auch Vertrautes nicht, wo schön ein Bild mit Inhalt, Form sich deckt; nicht „l`art pour l`art“ hat mir Gewicht, …

Herzig, Frank: Fernweh

Von Frank Herzig Wenn oft der Wind die Wolken treibt mit seiner ganz eigenen Sehnsucht hinwegtragen will aus unsicherem heftigen Gedankenkreisel, dann kann es passieren, dass wir vom Hierbleiben reden die Augen verschließen und vom Mitnehmen ganz leise nur träumen   Foto: privat Der am 21.04.1961 geborene Lyriker Frank Karl Herzig ist Vater zweier Kinder und hat zunächst eine Ausbildung zum Ökonomen an einer Fachhochschule absolviert. Anschließend erfolgte ein Berufswechsel …